

Egal, ob sie im Privaten gerne Hummer, Kaviar oder Trüffel essen: Wenn es darum geht, Volksnähe zu zeigen, greifen Politiker gerne zu Fast Food. Die Pressebilder von Gerhard Schröder am Currywurststand sprechen Bände. Wie sieht es in den USA aus, wo diesmal ein Politiker ganz neuen Schlages bei den Präsidentschaftswahlen den Ton angibt?
Ob Barack Obama besser als die Durchschnittsamerikaner isst, können wir nur annehmen. Zumindest sehen er, seine Frau und seine Töchter nicht so aus, als würden sie jeden Tag Hamburger und Pommes essen. Aber auch er muss sich als Politiker volksnah zeigen und nicht zu elitär wirken, zumal er kein Afroamerikaner aus dem Ghetto ist, sondern aus dem Mittelstand. Obama geht zwar nicht so weit wie John Mc Cain, der ganz stolz vor laufenden Kameras Hot Dogs verschlingt, oder wie Bill Clinton, der immer ganz offen seine Liebe für Fast Food gestanden hat, aber er gibt sich als kulinarisch ‚unkompliziert’: Er soll alles ‚Einfache’ gerne essen, von Hähnchen über Chicken Wings bis Cheesburger mit Cheddar. Pizza zählt auch zu seinen Favoriten sowie Waffeln.
Wer erwarten würde, dass sich so ein moderner, smarter Politiker wie Obama für gesundes, bewusstes Essen einsetzt, wird wohl enttäuscht. Der Trend zu einer gesünderen Ernährung, der sich gerade in den USA abzeichnet, mit dem Boom von lokalen und biologischen Produkten, die mittlerweile sogar große Supermarktketten wie Walmart anbieten, und der immer häufigere Anbau von Obst und Gemüse in urbanen Gärten und Ackern, lässt einige von ‚Slow Food Nation’ sprechen, wo die USA bislang als die ‚Fast Food Nation’ schlechthin galt. Aber die Politiker scheinen bei dieser Bewegung keine Vorreiterrolle einzunehmen.
„Sag mir, was Du isst, und ich sage Dir, wer Du bist“: Das gilt erst recht für Politiker, so wird sehr genau auf das geachtet, was in der Öffentlichkeit gegessen wird, denn hinter jedem Happen steckt eine Botschaft. Das wissen alle Politiker, von rechts bis links. Hier in Deutschland war das Ende 2007 die Linke Abgeordnete Sarah Wagenknecht, die Fotos vernichten ließ, nachdem sie im Restaurant beim Hummer-Essen fotografiert wurde.
Auch in Amerika haben Politiker immer die Zielgruppe vor Augen, wenn sie sich beim Essen zeigen. Obamas Rivalin Hillary Clinton ließ sich gerne beim Taco-Essen abbilden, in der Phase, als sie den Konsens der Latino-Gemeinde suchte, und Barack Obama hat bei verschiedenen Talkshows gesagt, dass er beim Frühstück am liebsten Bacon isst, möglicherweise um zu signalisieren, dass er nicht moslemisch ist, und damit jene Wähler zu beruhigen, die hinter ihm, Obama, einen versteckten Osama sehen.
© 2007 Rundfunk Berlin-Brandenburg