
Israel hat musikalisch weit mehr zu bieten als Klezmer und Folklore, denn die Musikszene dort ist so bunt, wie das Einwanderungsland selbst. Doch der Absatzmarkt ist mit zu klein für das bestehende Musikangebot. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil an Künstlern und Musikern in dem nur knapp über sechs Millionen Land. „Ich denke, Israel hat mehr Talente als New York, Berlin oder London,“ reflektiert David Broza, einer von Israels Popstars die Musikszene.
Israels Musikszene sei eine junge, noch wachsende, erklärt Mook E. Mit seiner früheren Band Shabak Samech textete er als einer der ersten des Landes erfolgreich auf Hebräisch. Heute gehört er, wie seine ehemaligen Bandkollegen Yossi Fine und Piloni zu den auch international gefragtesten Musikproduzenten des Landes und ist auch als Solomusiker erfolgreich.
„Momentan ist Israels Musik auf der Suche nach seiner eigenen unverkennbaren Stimme. Manche Sachen sind richtig gut, manche werden es sein und wir hoffen einfach, dass die Musiker die hier leben den Respekt bekommen, den sie verdienen.“, erklärt Mook E und verweist auch auf die Schattenseiten: „In der israelischen Gesellschaft ist es sehr hart für Künstler, wahrgenommen zu werden.
Kunst ist Luxus, denn wir sind schließlich in einem Krieg und haben keine Budgets für Kunst.“ Kunst, so argumentierten viele, sei etwas für Friedenszeiten, fügt er lakonisch an. „Aber wir sagen, es ist genau jetzt Zeit zu reden und gehört zu werden...und die Botschaft von Liebe und Einheit unter den Menschen zu streuen.“
Wie wichtig vor allem den jungen Israelis das Ausdrücken eigener Gefühle und Gedanken ist, lässt sich an einer Musikrichtung besonders gut ablesen. Seit zwei Jahren boomt der HipHop-Markt im Lande. „Wir reden über unser Leben, über Politik – wir reden nicht über das Aufwachsen in einem amerikanischen Ghetto, denn das ist nicht unsere Geschichte“, erzählt der als Subliminal bekannte Rapper Kobi Shimoni.
Auch sonst gedeiht der israelische Musikmarkt. „Es gibt viel mehr Frustration, eine größere Depression und ein viel stärkeres Bedürfnis sich auszudrücken“, versucht sich David Broza an einer Erklärung. „Ich kann es wirklich nicht in einem einfachen Wort sagen“, sagt Mook E. zu seiner eigenen Musik. „Es ist unser eigener spezieller Mix aus HipHop, Reggae, Rock’n‘Roll und Pop.“ In einer bestimmten Weise sei das sehr israelisch, denn es repräsentiere Israel, in der Art, wie es dort lebende Künstler sehen.
Er mischt, was eigene kulturelle Hintergründe den Musikern in die Wiege gelegt hat. Dass sich orientalische Klänge mit HipHip, Reggae oder Pop, Klezmer mit Balkansounds und Surfmusik mischt, oder äthiopische Musik auf Rock trifft, verwundert in Israel niemanden. Als selbstverständlich erachten Israels Musiker den Austausch und das Crossover. Ein bisschen scheint es so, als würde der fehlende äussere Absatzmarkt die Kreativität im Inneren beflügeln.
Ob die Vielfalt des israelischen Musikmarktes je nach aussen dringt, bezweifeln viele Musiker, wenngleich sie es sich sehr wünschen. „Wartet nicht bis man euch fragt, geht hin und spielt“, ruft DAVID BROZA diesen Kollegen zu. Doch sicherlich ist es einfacher mit einer Gitarre unter dem Arm durch die Welt zu reisen, als mit einer ganzen Band.
Text: Claudia Frenzel
Weitere Infos unter:
www.israel-music.com
© 2007 Rundfunk Berlin-Brandenburg