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Jaffa

Reportage

Jaffa, morgens 4 Uhr

Quirlige Szenelokale, Livemusik auf kleinen und großen Bühnen: Zwischen Tel Aviv und Haifa tost eine lebendige Musikszene und trotzt den politischen Spannungen. radiomultikulti-Reporterin Claudia Frenzel ist durch Israel gereist – durch Kellerbars, Klubs und Kibbutze …

Außenstehende verwundert es immer wieder, dass ich wenigstens einmal im Jahr nach Israel fahren muss. Das Land ist schon fast so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Tel Aviv, die boomende Stadt mit den verschiedensten Sounds an jeder Ecke, mit Menschen, die so schön sind, dass sie zu Recht ihre Körper am Strand zur Schau tragen, mit Essen, dass einem jegliche Diät streichen lässt und mit einem Flair, das man sich für den ganzen Nahen Osten wünscht: weltoffen und multikulturell, spannend, faszinierend und voller pulsierender Energie. Diese Stadt schläft scheinbar nie, denn wenn in den Clubs der Innenstadt das Licht ausgeht, wird in Jaffa, dem Ursprung Tel Avivs, gerade der Flohmarkt geöffnet.

Schon am ersten Abend muss ich wieder eintauchen, in die Musik dieser Stadt. Levontin 7 ist ein ganz neuer Club. Im Keller gibt es jeden Abend Livemusik, in der Bar legt ein DJ Platten auf. Im Publikum findet man vor allem junge Leute, aber auch allerlei Musiker verkehren hier. Und das auch außerhalb der Konzerte, die sie im Keller geben.

Tanz ohne Taschenkontrolle

Wenn man die musikalischen Trends der Stadt sucht, dann geht man am besten gleich hier vorbei. Auch in den anderen Bars leistet man es sich, DJs für die Hintergrundbeschallung zu engagieren oder Bands einzuladen. Gespart hat man dabei inzwischen wieder etwas an den Sicherheitskräften. Es fällt auf, dass man in viele Cafés und Bars inzwischen wieder gänzlich ohne Taschenkontrolle gelangt.

Jaffa, wo der größte Flohmarkt der Stadt fast täglich zum Ramschen einlädt, ist ein mehrheitlich arabischer Stadtteil. Viele Künstler haben sich hier ganz bewusst inmitten der arabischen Kultur niedergelassen. Das Zusammenleben wird hier scheinbar mühelos praktiziert, die Streitereien sind ganz so, wie sie unter normalen Nachbarn vorkommen … Ein Paradebeispiel für den Nahen Osten?

Araber, Christ, Israeli

Ronny Eid, ein arabischer Israeli christlichen Glaubens ist überzeugt, dass nur noch ein bisschen Zeit vergehen muss, bis es Frieden gibt. Er glaubt fest daran. Ich begegne ihm nicht in Jaffa, sondern in Haifa, wo es ebenfalls viele arabische Israelis gibt. Er kommt aus einem kleinen arabisch-christlichem Dorf nicht weit vom Galiläa-See entfernt. Seine Eltern stammen aus dem Libanon und er verdingt sich als Touristenführer und Musiker in einem traditionellen Ensemble. Er sagt, er verstehe beide Seiten, und letztlich sei mit einem Frieden doch allen geholfen. Bei einem Kaffee merken wir, dass wir nicht weit auseinander liegen mit unseren Hoffnungen und Wünschen für die Region. Für ihn, so sagt er, sei es in der heutigen Zeit viel schwerer, zugleich Araber und Christ zu sein. Mit Radikalisierungen unter dem Deckmantel der Religionen hat er nichts am Hut. Vielmehr lädt er mich ein, sein Dorf zu besuchen, wenn es mal auf meinem Weg liegt. Einen Kaffee zu trinken und eine arabisch-christliche Gemeinschaft kennen zu lernen.

Meine Reise führt mich aber zunächst weiter in den Norden. Nur zehn Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt spielt im Kibbutz Dan Boom Pam eine Klezmer-Surf-Rock-Band aus Tel Aviv. Im Kibbutz Dan hat man die schweren Tage des Libanonkriegs schon wieder weit hinter sich gelassen, der kleine Konzertclub ist rappelvoll und die Stimmung vom ersten Takt an mehr als ausgelassen. Man feiert die schräge Band aus Tel Aviv und ist froh über die Abwechslung. Viele sind auch aus den umliegenden Orten und gar aus Tel Aviv angereist, was jedoch nur etwas über 100 Kilometer entfernt ist.

Der nette Herr Heilbrunn

Noch vor dem Konzert suche ich in der näheren Umgebung ein Bett für die Nacht. Vieles ist ausgebucht, oder in der sechs Kilometer entfernten Stadt Kiriyat Shemona. In einem kleinen Shop des Ortes Shar-Yeshuv frage ich den Verkäufer. Er telefoniert, kann mir nicht wirklich helfen. Ein älterer agiler Herr, fragt mich, woher ich komme und reagiert auf meine Antwort auf Deutsch. Ich könne gern in seinem Gästehaus übernachten und zahlen, was ich wolle. Ich willige ein und finde ein wirklich liebreizendes Nachtquartier.

Yitzak Heilbrunn erzählt, dass seine Eltern einst aus Eschwege und einem Ort nahe Mannheim kamen. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr, als seine Eltern mit den Kindern noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen konnten, habe er zu Hause Deutsch gesprochen. Die Gastfreundschaft von Yitzak und seiner Frau Sarah überwältigt mich….und kann leider auch nicht verhindern, dass mich der Klimawechsel erst einmal mit einer dicken Erkältung niederstreckt.

© 2007 Rundfunk Berlin-Brandenburg

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